Fehler sind Errungenschaften auf die wir stolz sein müssen.

In meinem Beruf habe ich schon immer mit vielen verschiedenen Menschen und Unternehmen zu tun gehabt. Und immer haben mich die Menschen fasziniert, die Entscheidungen getroffen haben. Die „Dinge“ bewegt haben.

Was machen diese Menschen anders als andere? Sie gehen anders mit Fehlern um. Sie haben weniger Angst vor Fehlern. So wie dieses Kind im Titelbild, das einfach wieder aufsteht nachdem es gefallen ist.Fehler sind etwas essentielles in unserem Leben

Fehler begleiten uns seit unserer Geburt und wir machen unbewußt etwas mit ihnen. Wir lernen daraus. Wissenschaftlich handelt es sich dabei um erfahrungsbasiertes Lernen, welches eine Besonderheit hat. Es setzt eine konkrete Erfahrung mit Echtcharakter außerhalb artifizieller Lernumgebungen voraus.

 „Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht. „ Laurence Johnston Peter

Evolutionär ist diese Art von Lernen ein Erfolgsrezept, welches in Wissenschaft und Wirtschaft zu gigantischen Fortschritten geführt hat.

Einer der größten Fortschritte der Menschheit ist aus meiner Sicht unsere gestiegene Lebenserwartung. In den letzten 160 Jahren hat sich diese verdoppelt und ein guter Teil dessen ist auf den medizinischen Fortschritt zurückzuführen. Wer auf diesen Fortschritt angewiesen ist, weil er einen Eingriff zur Heilung benötigt, recherchiert schnell die besten Kliniken mit der meisten Erfahrung. Fehler werden dort weniger gemacht und die Eingriffe sind Routine. Eines vergessen wir dabei. Die Medizin ist eine praxisorientierte Erfahrungswissenschaft. Hart formuliert, um das zu können was sie heute kann, sind Menschen gestorben, weil am Anfang Fehler unvermeidlich waren. Man ist zu Gunsten des Fortschritts das Risiko von Fehlern eingegangen. Fehler mit der ultimativen Konsequenz.

Warum fürchten wir die Fehler?

Fehler haben Konsequenzen. Schon alleine das Wort hat eine negative Konnotation. Wir lernen spätestens in der Schule, dass Fehler bestraft werden. In Prüfungen – auch an der Uni – wird das Richtige belohnt. In Unternehmen die Erreichung von den richtigen Zielen bonifiziert. Wir sind darauf geprägt Fehler zu vermeiden, weil wir lernen, dass sich Fehler schlecht anfühlen.

Kurzfristig ist dies richtig und sinnvoll, langfristig gilt es den Blick auf den Lerneffekt zu richten. Da in unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem allerdings nach kurzzyklischen Vorgaben gesteuert wird, gerät die langfristige Sichtweise aus dem Fokus. Dass Quartalszahlen ein zu kurzfristiges Ziel sind haben mittlerweile viele Unternehmen erkannt, aber auch Jahresziele sind es. In der Politik sind Vierjahreszyklen der Maßstab in dem gemessen wird, aber maßgebliche Entscheidungen die langfristig richtig sein könnten (z.B. die Reformierung des Rentensystems) sind kurzfristig unpopulär und damit unmöglich.

Diese Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Fehler nicht belohnt, sondern bestraft werden und damit das Wort Konsequenz eine negative Bedeutung erhält. Die zwingende Folgerung – nichts anderes bedeutet Konsequenz – ist meine Abwahl oder unternehmerisch das Verfehlen von kurzfristigen Zielen.

Konsequenz auf der Zeitachse

Betrachte ich Konsequenz auf der Zeitachse wandelt sich das Bild. Was sich kurzfristig schlecht anfühlt – wie ein finanzieller Verlust – eröffnet mittel- und langfristig den Weg für eine positive Veränderung. Aufgrund der gemachten Erfahrung wird Wandel notwendig. Nicht selten sind finanziell nicht erreichte Ziele der Grund für einen Wandel.

Und genau an diesem Punkt stehe ich als Mensch, ich als Unternehmer vor einer Entscheidung. Was ändere ich?

Wer nun seinen Blick lediglich auf die kurzfristige Optimierung der finanziellen Erträge legt, schadet als Konsequenz dem Wachstumspotential des Unternehmens als Manager erheblich.

Wer seinen Blick auf den Umgang mit Fehlern legt, kann teilweise kurzfristig, sehr sicher langfristig, konsequent Erfolg haben. Ich habe oft Menschen in Workshops vor mit sitzen sehen, die bei solchen Äußerungen voller Unverständnis den Kopf geschüttelt haben. Ganz besonders Menschen in Führungspositionen und Unternehmensberater spüren für sich den Druck, keine Fehler machen zu dürfen. Schließlich sind sie Vorbilder.

Satya Narayana Nadella (CEO Microsoft) sah sich vor genau diesen Problemen und er musste gleichzeitig neue Produkte und Business-Modelle einführen. Seine Lösung? Ein „growth-mindset“, das lernen, ausprobieren und auch Fehler machen fördert und honoriert. Denn für die neuen Produkte und Business-Modelle wurden Skills benötigt, die das Unternehmen vorher nicht hatte.

Azure ist nur eine dieser Erfolgsgeschichten von Microsoft. Und ganz nebenbei hat der Kulturwandel bei Microsoft den Anteilseignern über die letzten 4 Jahre 143% Wertzuwachs gebracht. Hier schreibt Forbes übrigens darüber.

Anders mit Fehlern umgehen

Ich schrieb am Anfang dieses Blogs, dass ich für mich festgestellt habe, dass Menschen die Entscheidungen treffen weniger Angst vor Fehlern haben. Diese Menschen haben ein „growth mindset“ und manche davon sogar das Talent es Anderen zu vermitteln.

Das Ziel muss es also sein, mehr Menschen in die Lage zu versetzen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört zum einem vollständige Transparenz – i.S.v. allen vorhandenen Informationen, da vollständige Transparenz per Definition unmöglich ist -, damit die Grundlage für eine Entscheidungsfindung gegeben ist. Zum anderen eine Umgebung in der Fehler als etwas Gutes gesehen werden. Als eine Chance zu lernen. Die Chance sich weiterzuentwickeln. Ganz nach dem Motto:

„Fail fast, fail forward“.

Auch hier hat Microsoft den „growth mindset“ konsequent umgesetzt und glaubt dabei, dass JEDER im Unternehmen einen solchen entwickeln kann. Microsoft will konsequent das Potential aller Mitarbeiter erschließen und sieht dies noch vor den finanziellen Aspekten als DIE Aufgabe der Leader. Wie dies geschieht ist in diesem Artikel des Harvard Business Review kurz beschrieben.

6 Wege anders mit Fehlern umzugehen

Mache Fehler unterhaltsam

Menschen lernen am besten, wenn etwas Freude bereitet. Ein in den USA weitverbreitetes Konzept sind die Fuck-up-Nights. Dies ist nichts anders als ein Event, bei dem sich Menschen auf eine Bühne stellen und von ihrem Scheitern, ihren Fehlern erzählen, mit dem Ziel, dass andere davon lernen können. Oft stehen da sehr unterhaltsame und aus heutiger Sicht sehr erfolgreiche Menschen auf der Bühne. Fange als Manager oder Unternehmesführer damit an. Sei der Erste und breche das Tabu über Fehler zu sprechen.

Fail fast, fail forward

Löse dich von dem Gedanken ein Thema perfekt auszuarbeiten. Lerne durch ausprobieren. Dafür bietet sich die Methode des Design-Thinking an, mit der ich iterativ meine Lösung verbessere. Lasse ganze Teams damit arbeiten und ermutige alle Mitarbeiter nach Pareto zu arbeiten. So kommst Du schnell zu Ergebnissen und verbesserst in jeder Iteration das Ergebnis überproportional, weil Du aus Fehlern lernst.

Treffe Entscheidungen

Dinge nicht zu entscheiden bzw. lange zu diskutieren ist die teuerste Variante für jede Entscheidung. Nimm Dir eine dieser Entscheidungen die Du schon lange aufschiebst und entscheide diese heute. Du wirst spüren, wie befreiend es ist etwas zu tun. Übrigens wissen wir oft was zu tun ist, können es nur nicht adäquat begründen. Wenn dem so ist hat das limbische System im Gehirn die Entscheidung getroffen, welches auf Gefühlen basiert. Dies ist genauso wichtig wie faktische Entscheidungen im Neocortex. Lerne darauf zu vertrauen.

Begrenze den Schaden

Eine Sache von Fehlern ist, dass sie auch teuer werden können. Bei allen bekannten Vorteilen ein Risiko, das man eingehen muss. Hier gilt, die Kosten zu minimieren. Das mache ich am besten in dem ich Fehler schnell eingestehe. Kosten können dabei finanzieller Natur und viel wichtiger emotionaler Natur sein. Entschuldige Dich für deine Fehler. Es befreit Dich und gleichzeitig wirst Du ein akzeptierter Leader. In Bezug auf finanzielle Aspekte, sieh es als Investition in Fortbildung. Es heißt nicht umsonst Lehrgeld zahlen.

Mache Fehler für alle transparent – Unternehmensweit

Jeder Mitarbeiter hat ein Recht zu lernen und dein Unternehmen auch. Sobald das Vertrauen hergestellt ist, dass Fehler machen zu schnellem Lernen führt, gilt es den Lernerfolg zu maximieren. Finde einen Weg, dass alle Fehler auffindbar sind und prämiere den Fehler des Monats. Mache es öffentlich und stelle heraus, welchen positiven Effekt dieser Fehler für die Zukunft hat. Es gilt allerdings auch einen Weg zu finden verschwiegene Fehler zu sanktionieren. Denn so wird Vertrauen gebrochen und die Chance zu lernen verweigert. Es funktioniert nur als Team.

Sei ein Vorbild

Gehe selber mit gutem Beispiel voran und stehe zu deinen Fehlern. Es ist ein Lernprozess, der selber fehlerhaft sein wird, weil Du in alte Verhaltensmuster zurückfallen wirst. Auch das ist ok. Es wird jedem passieren. Aber: Übung macht den Meister und die Aufgabe ist, sich gegenseitig zu unterstützen und Fehler zu verzeihen.

 Auch wir werden besser

Ramona und mir wurde und wird für diesen Blog oft der Spiegel vorgehalten und genau das ist das, was wir uns wünschen. Nur so können wir besser werden und mit jedem Blog den wir schreiben ein Stück wachsen. In der Mitte der vorletzten Woche haben wir so einen Spiegel bekommen und er hat etwas bewirkt. Dafür ganz herzlichen Dank.

Ein Feedback welches wir häufig bekommen haben, war Folgendes:

„Ich finde mich in euren Blogs immer wieder. Ich kenne das Problem selber sehr gut, aber mir fehlt ein Weg damit umzugehen. Etwas was mir hilft eine Lösung zu finden.“

Ja, da haben wir euch allein gelassen. Auch weil wir selber nicht immer ein klares Bild hatten und manchmal nur das Problem benennen konnten. Die letzten Monate waren aber so intensiv, dass wir selber weiterkommen wollten und deswegen haben wir einen Weg entwickelt der helfen kann, Arbeit zu einem Ort der Produktivität, Erfüllung und Freude für jeden zu machen.

Wir nennen diesen Weg: FLIGHT-Method

Wir spiegeln diese Methode schon mit einigen Menschen, um schnell aus unseren Fehlern lernen zu können. Ganz bald teilen wir sie auch mit euch.

Take care and have a happy day

Chris

Published by

Chris Decker

Triathlon Coach der 2-fachen Ironman Siegerin Astrid Stienen. Lässt mit Leidenschaft Triathlon-Träume wahr werden.

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