Weshalb uns Fehler weiterbringen und Unperfektsein so herrlich schön ist.

In Unternehmen scheint sich gemeinhin die Annahme eingeschlichen zu haben, dass Fehler machen eine wirtschaftliche Katastrophe wenn nicht sogar ein GAU ist. Denn macht in dem Kreislauf „Unternehmen“ irgendjemand irgendetwas nicht so, wie es irgendwo festgeschrieben steht, dann könnte ja unter Umständen – vielleicht – unser Kunde am Ende das Produkt nicht mehr kaufen.

Ja, das könnte eine mögliche Konsequenz sein. Es könnte aber auch sein, dass bei aller Perfektion und Fehlerfreiheit der Kunde am Ende das Produkt auch nicht mehr kauft.

Scheitern wir vielleicht an unserem eigenen Perfektionsanspruch?

Fehler sind in unserer Kultur in der Regel mit Negativität behaftet. Das lernen wir schon in der Schule. Dort wird Fehlerlosigkeit mit guten Noten und Anerkennung „belohnt“. Fehler machen hingegen mit schlechten Noten und einem Fingerzeig „bestraft“.
Irgendwie hat sich die Meinung gebildet, Fehler seien ein Abbild der eigenen Unvollkommenheit, des Nicht-Perfektseins.
Dabei sind Fehler wie ich finde etwas sehr wertvolles und DER essentielle Grundstein für Erfolge. Sie zeigen nämlich genau auf, wo Potentiale stecken. Wo das Unternehmen ansetzen kann, um Weiterentwicklung und womöglich Innovation zu finden. Und dadurch wird es schlussendlich erfolgreich.
Wir haben als Konsument den Anspruch, dass ein Produkt das wir kaufen immer fehlerfrei ist. Es soll vollkommen und perfekt sein. Ein kleiner Makel, egal wie winzig er ist, wird in der Regel von uns nicht akzeptiert und führt dazu, dass wir das Produkt nicht kaufen oder es umtauschen, wenn wir es beispielsweise per Onlineshopping bestellt haben.

Ich versuche es mal mit einem Beispiel aus dem Alltag das jeder kennt.
Es ist Samstag und ich bin im Supermarkt unterwegs, an der Gemüse- und Obsttheke. Dort finde ich nur akkurat aussehendes Gemüse. Karotten die alle in etwa die gleiche Länge und Form haben. Äpfel die alle die gleiche Größe haben. Spargel der so gerade ist, dass ich damit ein Lineal ersetzen kann.
Alles perfekt ausgezüchtet und auf Fehlerlosigkeit angelegt.
Und was mir noch auffällt: Hat es dann doch einmal ein etwas andersartig aussehendes Stück Obst oder Gemüse in den Laden geschafft, liegt es an der Seite und wird am Tagesende weggeschmissen.

Warum wird nur für Positives gelobt?

„Aus Fehlern lernt man“, „Übung macht den Meister“, „Aus Schaden wird man klug“.

Drei Sätze die wir alle kennen, die wir alle auch bestimmt in der ein oder anderen Form schon selber gesagt haben, oder die man uns gesagt hat. Und jeder dieser Sätze bringt für mich etwas Gutes mit sich. Nämlich den Blick in eine Zukunft, nach vorne und nicht zurück. Die Erkenntnis, dass etwas was ich getan habe zwar nicht das Ergebnis gebracht hat, das ich vermutet hatte, mir aber dafür eine andere, eine weitere, eine neue Möglichkeit gegeben hat, wie sich ewtas entwickeln kann.

Der aus Wien stammende Nobelpreisträger Max Ferdinand Perutz hat einmal gesagt: ohne Fehler gibt es keinen Fortschritt.

Lob ausgesprochen wird aber nur, wenn ein gutes Ergebnis da ist. Oder habt ihr schonmal gehört: „Toll, wie du das falsch gemacht hast“. Ich zumindest noch nicht.

Vergesst Eure Angst, Fehler machen Euch und uns erfolgreich!

Meiner Meinung nach der größte Fehler den wir begehen ist es, jene Behauptungen über Fehler zu glauben, aus denen nur negative Folgen resultieren (Stress, Unsicherheit, Angst). Deshalb mein Appell an Euch: Erlaubt Euch und uns die Freiheit, Fehler zu begehen!
Fehler gehören zu Deinem und meinem Leben dazu. Und das nicht nur beruflich ODER privat, sondern beruflich UND privat. Wir alle greifen im Laufe des Lebens sprichwörtlich mal daneben. Wie dann mit solch einer Situation umgegangen wird, ist nicht allein Zeichen Deiner oder meiner Persönlichkeit, sondern auch Ausdruck einer Fehlerkultur, in der Du und ich leben.
Es gibt noch eine Menge Luft nach oben, denn die Fehlerkultur – nicht nur privat oder berfulich, sondern in unserer gesamten Gesellschaft – befindet sich in einem fraghaften Zustand.
Oder anders gesagt: Der angeblich so offene Umgang mit Fehlern, die Wertschätzung des eigenen Unperfekt-seins, bleibt in den meisten Fällen graue Theorie.
In der Realität jedoch wird jeder Fehler und die damit einhergehende Angst vor möglichen Konsequenzen (vlt. kauft der Kunde das Produkt ja nicht) so gut es nur geht unter den Teppich gekehrt und mit ihm zusammen im Keller oder auf dem Dachboden verstaut. Vermeintlich kann nur so garantiert werden, dass der Fehler für immer unentdeckt bleibt.
Aber: führt der fehlerhafte Umgang mit Fehlern wirklich dazu die Situation besser zu machen? Oder wird dadurch nicht eher erreicht, dass der Druck keine Fehler mehr zu machen erhöht wird und lässt Dein und mein Stresslevel durch die Decke gehen?

Lasst uns Misserfolge feiern, denn Sie bringen uns mehr Kreativität

Ich habe während meines Studiums mal in einer Studie der California School of Professional Psychology gelesen, dass sich die negativen Emotionen von Führungskräften negativ auf deren Mitarbeiter auswirken. Hat sich also ein Chef nach einem Fehler zu einer rein menschlichen, negativen Emotion, wie Wut oder Ärger über diesen Fehler hinreißen lassen und diese Emotion dann gegenüber seinem Mitarbeiter gezeigt, wurde eine geringere Kreativität festgestellt und auch das Engagement sank, wodurch dann in der Folge weitere Fehler gemacht wurden.
Gerade in heutigen Unternehmen und Organisationen sollten wir uns das zu Herzen nehmen und daraus lernen. Lasst uns gemeinsam lernen, die Fehler der Menschen um uns herum als das zu erkennen, was sie wirklich sind: Chancen, etwas Neues zu lernen, Chancen auf eine persönliche und berufliche Weiterentwicklung und Chancen daran zu wachsen.

Warum ich für ein JA zum Fehler-machen-dürfen bin

Du lernst in jedem Fall etwas dazu
Fehlerbehaftetes Handeln gibt uns die Möglichkeit der (Weiter)Entwicklung. Zwar mag es scheinbar im beruflichen Kontext wichtig sein, in bestimmten Situationen keine Fehler zu machen, die Ergebnisse verschlechtern könnten, aber nur diese Fehler haben das Potential unsere eigenen Fähigkeiten wachsen zu lassen. Wenn ich mich nie hinterfragen muss, weil alles was ich tue offensichtlich richtig scheint, nehme ich mir selber die Chance meine eigenen Stärken weiter auszubauen.

Du stärkst Deine Persönlichkeit
Erst wenn ich mich mit meinen eigenen Fehlern und Schwächen auseinandersetzen muss, kann ich ein gestärktes Selbstbewusstsein aufbauen. Dieses wiederum hilft mir dabei eine gute und positve Einstellung in Bezug auf Fehler zu entwickeln, damit ich einen Rückschlag nicht als entmutigend empfinde, sondern als Antrieb.
Mit dem Wissen: es geht trotzdem weiter. So kannst du es schaffen, dass dir das Fehlermachen die Angst vor Fehlern nimmt und du einen Fehler von etwas vermeintlich schlechtem in etwas Gutes umdeuten kannst.

Du wirst effizienter arbeiten
Scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein? Überleg doch mal, wie oft du im Arbeitsfluss innehälst, nur weil du überlegen musst, ob das was du jetzt tun möchtest fehlerfrei ist. Dein eigenes Perfektsein-Gefühl steht dir also im Weg und hemmt die womöglich vorhandene 1 Million Euro Idee, nur weil sie nicht bis ins kleines Detail überlegt, recherchiert und ausgefeilt ist.

Du steigerst deine Chancen auf Erfolg
Genau, denn wie ich anfangs schon geschrieben habe:
„Fehler sind wie ich finde etwas sehr wertvolles und DER essentielle Grundstein für Erfolge. Sie zeigen nämlich genau auf, wo Potentiale stecken. Wo das Unternehmen ansetzen kann, um Weiterentwicklung und womöglich Innovation zu finden. Und dadurch wird es schlussendlich erfolgreich.“

Take care and have a happy day

Ramona

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Chris Decker

Triathlon Coach der 2-fachen Ironman Siegerin Astrid Stienen. Lässt mit Leidenschaft Triathlon-Träume wahr werden.

4 Antworten auf „Weshalb uns Fehler weiterbringen und Unperfektsein so herrlich schön ist.

  1. Zum Thema Fehler feiern: Es gibt bei einem Marathon, welcher es ist, fällt mir gerade nicht ein, einen „Darwin-Award“ für den Läufer, der während des Laufes den absolut größten Blödsinn gemacht hat. Einen so großen Blödsinn, dass dieser der Entwicklungstheorie von Darwin widerspricht und es uns Menschen eigentlich nicht mehr geben müsste. 🙂 Beispielsweise einen Läufer, der eine giftige Schlage mit einem Stock so sehr reizt, dass er ein noch besseres Foto machen kann.

    Diese Idee teile ich immer wieder mit meinen Seminarteilnehmer aus den Führungsetagen und einer von ihnen hat dieses Konzept sofort in die Realität umgesetzt. Aber nicht in Deutschland. Der Kollege ist Inder und er hat diesen Ansatz nach Indien mit nach Hause genommen, wo das äußern von Kritik nicht unbedingt eine Stärke ist.

    Monatlich berichten seine Teammitglieder über den ihrer Meinung nach größten Unsinn, den größten Fehler, den sie gemacht haben.

    Oft bekommen sie von ihren Kollegen die Rückmeldung, dass das doch eigentlich gar nichts Schlimmes war, was sie gemacht haben. Das nimmt sehr viel Druck und Angst davor, einen (vermeintlichen) Fehler einzugestehen raus. Aber natürlich gibt’s auch wirklich Böcke, die geschossen wurden. Und am Ende des Meetings entscheidet die Gruppe gemeinsam, wer den Award des Monats bekommt. Dazu gibt’s ne kleine „Belohnung“ – eine Tafel besonderer Schokolade, etc. Es geht um die Geste.

    Die Fehlerkultur dieses Teams und der Umgang miteinander ist seitdem auf einem ganz neuen Level, um den sie andere Teams beneiden.

    Gefällt 2 Personen

  2. Lieber Axel,

    ich freue mich, dass du meinen Artikel gelesen hast. Danke für deinen Kommentar.
    Die Idee in der Öffentlichkeit des Unternehmens und der Kollegen über seine Fehler zu sprechen ist toll. Auch ich glaube, dass es am Ende solch einer Session dazu kommt, dass die Fehler gar nicht als schlimm angesehen werden. Schön zu lesen, dass Menschen die Idee annehmen und umsetzen.
    Mal schauen, was ich tun kann um solch einen Ansatz umzusetzen 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Die Antwort von Ramona Zimmermann auf den Beitrag von Axel Rittershaus beinhaltet einen Schlusssatz, der alleine durch die Betonung stark an Gewicht gewinnt:

      Ramona schreibt: „Mal schauen, was ich tun kann um solch einen Ansatz umzusetzen.“
      Noch schöner liest sich: „Mal schauen, was ICH tun kann um solch einen Ansatz umzusetzen.“

      Ich bin ICH, bist DU, sind WIR. Gemeinsam – statt einsam!

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  3. In der Tat feiern wir wohl selten Misserfolge und dies ist wohl auch typisch deutsch. In Silicon Valley gehört es umgekehrt schon zum guten Ruf, mal eine Pleite hingelegt zu haben.

    Was jedoch zwingend dazu gehört, ist aus Fehlern zu lernen. Um dies zu können, muss man jedoch den vermeintlichen Fehler auch erstmal selbst erkennen. D.h., wie es auch Axel schon andeutet, dass zur Fehlerkultur nicht nur der Mut gehört Fehler zu machen oder zumindest mögliche Fehler zuzulassen, sondern auch der Mut Fehler wertschätzend anzusprechen. Für mich persönlich immer noch ein dauerhaftes Lernfeld: Treffe ich die richtigen Worte; Fühlt sich der Andere vielleicht verletzt oder angegriffen; Steht dir überhaupt Kritik zu; Lass es doch besser; etc. Dies sind die Fragen, die mir dabei durch den Kopf schießen. Und häufig lasse ich es dann auch und verschließe mir dabei die Möglichkeit mehr über die Umstände und Beweggründe zu erfahren und meinem Gegenüber vielleicht aus seinem Handeln zu lernen.
    Feedback-Kultur gehört also zwingend zur Fehlerkultur und hier genügt es nicht, die feedback-Regeln auswendig gelernt zu haben. Respekt, Wertschätzung und der gemeinsame Wille sich weiter zu entwickeln, gehört dazu.
    So bin ich auch froh trotz der obigen Ressentiments Ramona und Chris vor ein paar Tagen Feedback zu Ihren Anfängen dieses Blocks gegeben zu haben und bin belohnt worden mit einer sehr großen Offenheit, Herzlichkeit und Fehlerkultur :-).

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