Führung braucht Bewegung

Nur 15% aller Arbeitnehmer weltweit arbeiten mit Engagement. So sagt es eine vielbeachtete Gallup-Studie.

Ich persönlich glaube, dass an der Aussage etwas dran ist und nehme mir heraus, diese umzudeuten. Ich glaube, dass 15% aller Arbeitnehmer motiviert sind bei ihrer Tätigkeit über ihre Grenzen zu gehen, weil sie verstanden haben wofür sie es tun. Weil sie das Ziel kennen und sich mit diesem identifizieren können.

Es fehlen Informationen

Immer wenn ich persönlich mit Frage- oder Problemstellungen meiner Kunden zu Kollegen komme, diese gerne lösen möchte und ich erfahre keine Unterstützung, so stelle ich jedesmal fest, dass entweder die Unternehmensziele in diesem Fall nicht verstanden wurden oder die persönliche Situation des Kollegen in irgendeiner Form aussichtslos ist. Das kann Perspektivlosigkeit sein oder auch Überforderung. Letzteres kann dabei viele Ausprägungen haben. Und ja, auch ich habe solche Momente schon gehabt. Und um ehrlich zu sein, haben diese Momente mir immer in irgendeiner Form weh getan. Es fühlt sich nicht gut an jemanden nicht unterstützen zu können.

Desto mehr ich diese Studie mit meinen persönlichen Erfahrungen in vier Unternehmen als Angestellter und in dutzenden von Kundenunternehmen in Verbindung bringe, desto klarer wird mir Eines. Der Großteil der vielzitierten 15% sind Menschen die in der Nähe der Führungskräfte arbeiten oder selber im Management tätig sind. Es sind die 15% die gut erreicht werden von den Führungskräften. Der Informationsgrad dieser Menschen ist deutlich höher als der der Restlichen 85%.

Es sind häufig „die da oben“ und einige Talente.

Um zu führen muss man fühlen und glauben

Aber so einfach ist es nicht. Das Gallup über eine lange Zeit eine solche Studie veröffentlichen kann, zeigt vor allen Dingen Eines. Es fehlt in Führungspositionen – und das hat aus meiner Sicht nichts mit Hierarchie zu tun – an Menschen die ein Gespür für Menschen haben. Es sind zu viele Analytiker in solchen Positionen. Menschen die Prozesse verstehen. Menschen die Zahlen optimieren. Wir brauchen Menschen die Gefühle spüren. Und noch wichtiger Gefühle erzeugen können.

In der Geschichte der Menschheit war es schon immer so, dass Menschen zu Höchstleistungen fähig waren, wenn sie sich als Teil eines Größeren gesehen haben. Genau das ist immer passiert, wenn ein Visionär Begeisterung entfachen konnte. In Zeiten der Digitalisierung und der Elektrifizierung ist ein solcher Mensch für mich Elon Musk. Er ist eine Führungskraft mit einer Vision, welche er klar ausspricht. Aber er ist auch jemand, der die Aufgaben jedes Angestellten bereits selber ausgeführt hat und dies JEDESMAL tut, wenn ein Unfall passiert bei dem einer seiner Angestellten verletzt wird.Er glaubt an etwas. Er lebt dafür und am wichtigsten er steht dafür so ein, dass JEDER seiner Mitarbeiter dies erleben kann.

Während meines Wehrdienstes habe ich dabei einen Spruch gehört, dessen Wertigkeit ich erst heute zu schätzen weiß. Ein Vorgesetzter in der Armee – ja dort gibt es eine strikte Hierarchie – soll immer „führen durch Vorbild“. Er darf von den Menschen die ihm anvertraut sind nur das erwarten und fordern, was auch er bereit ist zu tun. Das verlangt viel Nähe, Einsatz und Gespür für seinen Gegenüber.

Genauso ist es auch im Sport auf Weltniveau. Der Athlet ist so gut, wie der Coach es kann. Mit der richtigen Anleitung, blindem Vertrauen und dem richtigen Umfeld, sind Sportler zu Leistungen fähig, an die sie selber vorher nicht geglaubt haben. Es steht und fällt damit, wie sie zu diesen geführt werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass bei Führung die mehr auf den Menschen eingeht, die die Bedürfnisse des Einzelnen mit dem Ziel der Erfolgsmaximierung des Unternehmens in den Mittelpunkt stellt, nicht nur die 85% mehr Leistung bringen, sondern auch die 15% die schon engagiert sind.

Vertrauen ist der Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

Es geht nur um eine einzige Sache. Das Gefühl von Sicherheit am Arbeitsplatz. Sicherheit das Richtige zu tun und dabei Freude zu haben.

Ich kann dieses Gefühl von Sicherheit auch Vertrauen nennen und grundsätzlich ist die Mechanik, welche ich bei der Bundeswehr, beim Sport und in Unternehmen mit guter Führung beobachtet habe immer gleich. Es war ein Geben und ein Nehmen in gleicher Menge und Qualität. Unterbewußt sind wir Menschen immer auf Ausgleich bedacht und wären das in unserem tiefsten Inneren ab. Werden wir gerecht behandelt? Es ist das Gesetz des Reziprozität. Wenn wir also Nähe und Information schenken und dabei authentisch sind, werden wir das selbe zurückerhalten.

Das Schwierige bei diesem Thema ist nur, dass EIN Mensch mit diesem Herschenken von Vertrauen in Vorleistung gehen muss um es zurückerhalten zu können. Und hier ist aus meiner Sicht der Punkt warum nur so wenige Menschen laut Gallup engagiert bei der Arbeit sind. In diese Vorleistung gehen wird in den meisten Unternehmen nicht gefördert.

Unternehmen müssen in den meisten Fällen heute flexibel organisiert sein um auf die schneller werdenden Anforderungen der Digitalisierung antworten zu können. Um nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren. Und genau hier ist Vertrauen die EXISTENZBEDINGUNG für eine solche Organisation.

In einer Economy of Speed ist das Unternehmen im Vorteil, in dem Vertrauen herrscht. Sobald ich in einem Netzwerk arbeite ist dies auf einer Beziehung errichtet und was ist die Basis einer solchen Beziehung? Mit Vertrauen erhalte ich Zugang zu Wissen, ermögliche schnelle Entscheidungen. Mit Vertrauen mache ich meine Arbeit wirtschaftlicher.

Ja Vertrauen hat das Risiko, dass es ausgebeutet wird. aber genau da wird es zur persönlichen Leistung. Einem Unterscheidungsmerkmal in einer gefühlt unsichereren Welt, die es anderen und mir selber erlaubt Freiheit zu spüren.

Die ersten vier Schritte auf dem Weg zum Erfolg

Wer sich nun fragt, wie kann ich denn damit anfangen, wie gehe ich in diese Vorleistung und wie mache ich Vertrauen möglich, der bekommt eine einfache Antwort:

  1. Man muss ich selber verwundbar machen.
  2. Kontrollen abbauen, Informationen zugänglich machen.
  3. Mitarbeiter einstellen die einen selber überflügeln können
  4. Rahmenbedingungen abschaffen, die nicht vertrauensvoll sind (z.B. Zielvereinbarungen mit Bonussystemen).

Ich muss mich und meine Organisation öffnen um erfolgreich zu sein.

Am besten geht dies übrigens mit kleinen Teams. Ihr Team ist groß? Dann machen Sie es klein. Dafür finde ich persönlich diese Anregung sehr passend: Company Rebuilding.

In diesem Sinne liebe Führungskräfte. Bewegt euch. Bewegt euch auf eure Kollegen zu und schenkt Vertrauen.

Published by

Chris Decker

Triathlon Coach der 2-fachen Ironman Siegerin Astrid Stienen. Lässt mit Leidenschaft Triathlon-Träume wahr werden.

Eine Antwort auf „Führung braucht Bewegung

  1. Die Einleitung enthält für mich bereits die Essenz: Ziele kennen und sich damit identifizieren!

    „…Arbeitnehmer motiviert sind bei ihrer Tätigkeit über ihre Grenzen zu gehen, weil sie verstanden haben wofür sie es tun. Weil sie das Ziel kennen und sich mit diesem identifizieren können…“

    Fehlende Informationen im Team: Interne Kommunikation? Unternehmenskultur? Holschuld / Bringschuld?
    Führungsverständnis: Puls zur Basis spüren? In wichtigen Momenten präsent sein? Wertschätzung offenbaren?
    Vertrauen: An das Ganze glauben? Bereitschaft, Vertrauen zu haben und zu vermitteln? Ehrlich sein?

    In Unternehmen, wo Angestellte über hierarchische Grenzen hinweg beispielsweise gemeinsam die Arbeitspausen verbringen, findet man schnell und einfach Indikatoren über den Stand von Befindlichkeiten:

    Wer äussert sich in der Kaffeepause gleich über das Unternehmen und die Kollegen, wie er das im kleinen Kreis oder im eigenen Büro tut?
    Wer steht zu seiner Meinung, unabhängig von den anwesenden Personen?
    Wer bemerkt, wenn sich Kollegen anders verhalten, weil es ihnen vielleicht nicht so gut geht?
    Wer hat mehr drauf, als pauschale Sprüche und grenzwertige Bemerkungen?
    Wer ist bereit anzupacken, ohne zuerst den eigenen Vorteil zu hinterfragen?

    Gute Gründe, warum Führungskräfte immer mal wieder gemeinsam mit ihren Teams und den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen zusammensitzen sollten. Und sei es nur auf einen Kaffee! Gute Gründe aber auch, sich als MitarbeiterIn immer wieder die Frage zu stellen: „Was leiste ich zum Ganzen?“. Womit wir wieder beim Thema wären…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s