Fang an! Gedanken von Axel Rittershaus

Als Chris mir bei einem Abendessen im November 2017 von der Blogidee erzählte, war ich umgehend begeistert. Denn meiner Meinung nach kann es gar nicht genug Menschen geben kann, die andere dabei unterstützen, den Mut zur Veränderung zu haben. Zudem bin ich von Natur aus jemand, der neue Dinge erst einmal unheimlich spannend findet.

Daher finde ich es super, dass Chris und Ramona diesen Blog starten und ich freue mich sehr, als Gastautor daran mitwirken zu dürfen.

Grenzenloser Optimist und Macher

 Hinzu kommt, dass ich ein grenzenloser Optimist bin. Und ein Macher. Ich will Dinge tun und bewegen. Und genau das hat dazu geführt, dass ich seit Jahrzehnten immer wieder ganz neue Dinge beginne. Von denen ich nichts bereue – egal wieviel Stress, Anstrengung, Frustration, Geld, … mich das auch gekostet haben mag.

Woher weiß man, was „richtig“ ist?

 Die meisten Menschen haben immer wieder richtig gute Ideen, die sie gerne in die Realität umsetzen wollen. Sie haben Träume und Wünsche.

Als Kinder werden wir noch gefragt „und, was willst Du einmal werden?“ und zu meiner Zeit waren es Feuerwehrmann, Lokführer oder vielleicht auch Arzt. Meistens hat man dann anerkennenden und aufmunternden Zuspruch von den Erwachsenen bekommen. Schließlich ist man ja noch ein Kind.

Wird man größer, dann lernt man aufgrund von Rückmeldungen der Eltern, Großeltern, Lehrern, Freunden, dass man doch nicht alle Träume haben darf. Vor allem, wenn die eigenen Ideen nicht „normal“ sind, erntet man skeptische, demotivierende Kommentare. Arzt wird immer hoch angesehen, Malerin oder Tänzer nicht unbedingt.

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Quelle: pixabay.com

Also beginnt man sich zu fragen, was denn richtig ist.

Was soll man tun?

Wie soll man sich entscheiden?

Woher weiß man, was „das Richtige“ für einen ist?

Die Bedeutung „der Anderen“

Ein Großteil von uns ist dazu erzogen worden, das zu tun, was von „der Allgemeinheit“ als richtig angesehen wird. „Was werden die Nachbarn denken, wenn Du das machst? Das geht doch nicht.“, sind die Aussagen, durch die viele Träume sterben.

Unser privates Umfeld prägt uns enorm. Es kann dazu führen, dass es in uns einen inneren Konflikt auslöst, der uns um den Verstand bringt. Wortwörtlich.

Die Eltern einer meiner Coaching-Klienten haben es von absoluter Armut zu enormem Wohlstand gebracht haben. Handwerk, Maschinenbau, und harte Arbeit haben den Erfolg gebracht. Der Sohn ist alles, aber weder Handwerker noch Ingenieur. Er ist Künstler, Designer, Denker. Dementsprechend (abschätzig) hat ihn sein Vater behandelt. Der Sohn hätte sich, mit über 40 Jahren, durch Alkohol- und Drogenexzesse beinahe selbst umgebracht, nachdem die Eltern gestorben waren. Denn er musste plötzlich ein Erbe antreten, das einfach nicht seinem Naturell entspricht. Gemeinsam haben wir einen Weg gefunden, wie er mit damit umgehen kann. Erstmals macht er wirklich das, was ihn glücklich macht. Mit 43 Jahren.

Wächst man in einem Umfeld voller Unternehmer auf und will Beamter werden, dann wird man meistens hören, dass das keine gute Idee ist.

Gehört man einer Familie an, die seit Generationen erfolgreich Handel betreibt, und will Maler werden, wird man wenig Zuspruch ernten.

„Anecken“ ist verpönt

 Wir lernen von Kindesbeinen an, dass „Anecken“ nicht gut ist und uns isoliert.

Dabei ist „Anecken“ das einzige, was uns voranbringt.

Die Evolution funktioniert nur deswegen, weil sie ständig Varianten hervorbringt, die „anders“ sind. Viele von ihnen sterben wieder, weil die Variante nicht lebensfähig ist. Aber manche überleben und oft überleben sie dann genau die Situationen, die nicht mehr normal sind. Weil sich die Welt ständig weiterentwickelt.

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Quelle: pixabay.com

„Fail forward“ und „fail fast“

 In der Silicon-Valley-Community spricht man oft von „fail forward“ und „fail fast“. Man möchte damit dazu ermutigen, Ideen so schnell wie möglich auszuprobieren. Wenn man merkt, dass die Idee völliger Blödsinn ist, kann man sie nämlich ad acta legen. Laboriert man aber erst mal 6 Jahre damit herum und stellt dann fest, dass sie nicht funktioniert, hat man 6 Jahre seines Lebens vergeudet. Stellt man aber fest, dass sie funktioniert, dann hat man 72 Monate Erfahrungen gesammelt, den Markt besetzt, Kunden gewonnen, oder was auch immer hinter der Idee stecken mag.

Und es geht ja nicht nur um Geschäftsideen, ich wähle das nur als Beispiel.

Gleiches gilt, wenn man endlich mit einem Sport beginnen, fitter werden, gesünder essen, den passenden Lebenspartner finden, eine Traumreise unternehmen, an seinen Lieblingsort ziehen, … möchte.

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Quelle: pixabay.com

In einem Podcast von Tim Ferriss interviewt er den Venture Capitalist’ Mike Maples (https://tim.blog/2017/12/16/the-man-who-taught-me-how-to-invest/) und Mike sagt, dass 93% seiner erfolgreichen Investments erst Erfolg hatten, nachdem die erste Idee der Gründer gefloppt war und sie diese Idee verändern oder gar komplett neu angehen mussten. Doch um zu floppen, muss man erst einmal was tun.

Was tust Du?

Anfangen ist leichter als man denkt

Nicht wenige der Führungskräfte, mit denen ich weltweit als ihr Coach oder Trainer zusammenarbeite, erzählen mir unter vier Augen von einer Geschäftsidee.

Einer Idee, die sie seit Jahren mit sich herumtragen.

Sobald ich frage, ob sie schon jemals mit einem potentiellen Kunden oder Geschäftspartner über die Idee gesprochen haben, werden sie still. Denn sie gehen davon aus, insbesondere wenn sie aus dem deutschsprachigen Raum kommen, dass eine Idee erst zu 150% durchdacht, fertig konzipiert und durchkalkuliert sein muss, bevor man irgendjemandem davon erzählt.

Das ist in meinen Augen auch einer der Gründe, warum wir in Deutschland in vielen Bereichen weiterhin führend in der Forschung sind, aber bei der Umsetzung in Produkte nur noch unter „ferner liefen“.

Wenn Du eine Geschäftsidee hast, dann sprich mit Menschen darüber, die von dieser Idee etwas haben könnten. Mit potentiellen Kunden, mit potentiellen Geschäftspartnern, mit Forschern oder was auch immer die Idee ist.

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Quelle: pixabay.com

Das ist leicht!

Wenn sich Deine Idee nach 15 oder 20 Gesprächen als absoluter Blödsinn herausstellt, dann gehe zurück zum Anfang. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif oder Deine Erklärung zu kompliziert. Vielleicht ist die Idee auch Quatsch – dann vergiss sie und wag Dich an die nächste.

Es gibt keinen Mangel an Ideen.

Es gibt einen absoluten Mangel an Menschen, die Ideen austesten und umsetzen.

Anfangen ist schwerer als man denkt

 Wenn Dein Idee aber auch nur ansatzweise gut ist, dann wird es schwerer. Dann beginnt die eigentliche Arbeit.

Dann musst Du das Feedback berücksichtigen, die Ideen wirklich gnadenlos hinterfragen, skrupellos nach Schwachstellen suchen.

Du musst Dich um gesetzliche Regelungen kümmern, herausfinden, welche Vorgaben zu beachten sind, Prototypen bauen, finanzieren, testen lassen.

Auf diesem Weg, bei der Umsetzung einer Idee in die Realität, scheitern die meisten Menschen. Weil sie unterschätzen, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Nahezu jeder Mensch kann einen Marathon laufen oder einen Triathlon finishen. Aber die wenigsten sind dazu bereit, sich über Monate oder Jahre hinweg täglich an der eigenen Nase zu packen und das zu tun, was notwendig ist. Statt auf der Couch zu sitzen oder doch lieber eine Stunde länger zu schlafen, anstatt das zu tun, was wichtig ist.

 Wenn es nicht schwer ist, macht es dann überhaupt Sinn?

Nelson Mandela sagte (sinngemäß übersetzt):

Wie kann man ein leidenschaftliches Leben führen, wenn man nur kleine Brötchen bäckt und sich mit einem Leben zufriedengibt, das erheblich hinter dem zurückbleibt, was man eigentlich in seinem Leben erreichen könnte?

(Das Original: “There is no passion to be found playing small and settling for a life that’s less than the one you are capable of living.“)

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Quelle: pixabay.com

Durchhaltevermögen ist wichtiger als Talent

Noch viel mehr Zweifeln nicht an der Idee, aber an sich. „Ich bin doch kein Unternehmer“, „Was denke ich eigentlich, wer ich bin. Es gibt viel talentiertere Menschen als ich, gegen die ich nie eine Chance habe.“, oder „Wieso sollte irgendjemand interessieren, was ich denke – mein Deutschlehrer fand meine Aufsätze schon immer zum Sterben langweilig.“ sind nur einige der Selbstzweifel die viele prägt.

Dabei ist Talent wesentlich weniger relevant als Durchhaltevermögen. (Darüber habe ich übrigens einmal einen Artikel in der Computerwoche veröffentlicht: https://www.computerwoche.de/a/warum-talent-der-groesste-feind-des-erfolges-sein-kann,3315764 )

Dranbleiben zählt. Denn wenn Du dranbleibst, dann stehst Du auch nach dem 7. Hinfallen wieder auf. Und das ist, was am Ende zählt.

Was ist das Schlimmste, das passieren kann?

Diese Frage, „Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“ hat oft erstaunlich wenige, wirklich dramatische Antworten zur Folge.

Also frage Dich in Zukunft, wenn Du eine Idee hast und Dich bislang nicht traust, diese Idee zumindest einen Schritt weiter zu verfolgen: „Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“.

Wenn weder die Welt untergeht, noch Dein ganzes Leben zusammenbricht, dann gehe diesen Schritt. Und dann siehst Du schon, wie der nächste Schritt aussehen wird.

Zögere nicht.

Mach es.

Jetzt.

Axel Rittershaus

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Chris Decker

Triathlon Coach der 2-fachen Ironman Siegerin Astrid Stienen. Lässt mit Leidenschaft Triathlon-Träume wahr werden.

3 Antworten auf „Fang an! Gedanken von Axel Rittershaus

  1. Hi Axel,

    danke für diesen wirklich wunderschönen Beitrag.
    Ich habe mich – oder besser Erlebnisse von mir – darin an vielen Stellen erkannt. Ich wußte noch genau wie es war.
    Vom Druck des „Normalen“, der mich studieren ließ und ich erst nach 2,5 Jahren den Mut hatte dies abzubrechen.
    Von den Blicken, wenn man mit 23 Jahren und einem abgebrochenen Studium erstmal ein Jahr ans andere Ende der Welt flüchtet und mit fast 25 Jahren danach eine Lehre anfängt und der Älteste dabei ist. Die ungläubigen Gesichter, als ich dann im Alter von 27 Jahren entschieden habe Vermieter zu werden. Finanzielle Risiken eingegangen bin, die in meiner Familie noch nie jemand gewagt hat – nur der Notar hat es verstanden und mir auf die Schulter geklopft. Danach Arbeit, Abendstudium und Sport mit dem Ziel mich auf Weltmeisterschaften zu messen. Für fast alle die in meinem Umfeld waren, unverständlich.

    In vielen Momenten habe ich selber an mir gezweifelt, weil das alles nicht normal war. Bis ich irgendwann reflektiert habe, wann ich gezweifelt habe. Nie wenn ich diese Dinge gerade gemacht habe. Während ich mit Leidenschaft bei einer Sache dabei war. Nein, in diesen Momenten war ich immer glücklich und habe Dinge erreicht mit denen ich bis heute zufrieden bin. Ich war bei mir.

    Ich war nie stromlinienförmig und deshalb oft angeeckt. Das Gute daran ist, an Ecken fangen sich Dinge. Genauso findet man wenn man aneckt, andere Menschen die dies auch tun und findet Gleichgesinnte. Auf einmal ist das was man tut „normal“ und es gibt sie doch – die Anderen. Normalsein ist eine Frage der Perspektive und des Umfeldes. Aus meiner Sicht geht es darum, sich selber zu finden und zuzulassen, dass man einen eigenen Weg hat, den man nur selber bestimmen sollte. Die Menschen die ich kennenlernen durfte, die genau das tun, sind die Menschen die die größte Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlen. Es sind die Menschen in deren Gegenwart ich mich am wohlsten fühle.

    Übrigens bin ich sicher, suchen wir alle „das Andere“. Nur lassen die meisten Menschen es nie zu. Mit einer Ausnahme. Unseren Partner.
    Keiner wird über seinen Partner sagen, meine Frau / mein Mann, ist genau wie alle anderen. Nein, meine Frau ist anders als alle anderen die ich je getroffen habe und genau das hat sie für mich so attraktiv, so anziehend gemacht. Anders sein attraktiv zu finden ist in unseren Genen.
    Wir müssen nur lernen es in unserem Leben so positiv einzusetzen, wie bei der Partnerwahl.

    „The grass is always greener on the other side of the fence.“ Wer kennt diese Aussage nicht? Wir sehen alle immer das was anderswo besser ist und doch trauen wir uns nicht dahin. Lasst uns nicht drüber reden, lasst es uns tun.

    Ich kann für mich sagen, egal was ich Neues angepackt habe, ich habe immer Erfahrungen dabei gemacht die ich nie missen möchte.
    Diesen Blog mit Ramona zu starten – für den ich auch diese Woche wieder Unverständnis geerntet habe – ist eine dieser tollen Erfahrungen. Ich habe Freude daran und bin glücklich dabei Menschen und Sichtweisen, wie die von Dir Axel, kennenlernen zu dürfen.

    Let us change the culture. Let us start something new. Something better.

    Take care and have a happy day
    Chris

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  2. Spannend! Macher treffen auf Unverständnis. Immer wieder, in beliebigen Situationen, quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, themenübergreifend und generell: Wer anpackt und für Veränderung einsteht, darf sich jeweils schnell dafür rechtfertigen. Dabei sind die offenen Kritiker oder Zweifler immerhin noch angenehm: Sie stehen zu ihrer Meinung. Schwieriger wird es mit den «im Prinzip ja, aber-Typen»: Ihnen fehlt oft der Mut zum Glaubensbekenntnis, innere Zweifel überwiegen.

    In das Gelingen vertrauen, Neuem im Grundsatz wohlwollend begegnen, bereit sein für Pionierarbeit, Leistung nicht nur und ausschliesslich mit monetärem Gedankengut verbinden, geistiges dem materiellen Wachstum vorziehen – dafür sollten wir vermehrt einstehen.

    Es gibt elegante Wege, solche Äusserungen nicht zu Floskeln verkommen zu lassen, sondern sie als Basis für das weitere Handeln in diesem ach so überblickbaren irdischen Dasein einzusetzen. Auch hier ist eine Frage Ausgangspunkt für eine Chance zum Wandel:

    WAS IST MEIN BEITRAG ZUM GANZEN?

    Wer sich persönlich und ehrlich (nicht selbstgefällig) mit dieser Frage auseinandersetzt, wird in vielen Fällen ebenfalls Anecken – nämlich zuerst einmal an sich selber. Unverständnis kann sich dann fatal auswirken, wenn daraus Auswirkungen auf das Vertrauen resultieren: Misstrauen verhindert Motivation.

    So schliesst sich fürs Erste ein Kreis. Mein Beitrag kann damit beginnen, Vertrauen zu schaffen. Zuhören ist einer der Schlüssel dazu. Stärken fördern auch. Ehrlich sein erst recht. Und eine geeignete Messlatte steht ebenfalls zur Verfügung: Wenn die eigene innere Stimme «ja» sagt, wenn also die Intuition Entscheide stützt, dann haben wir den Wandel eingeleitet.

    Lasst euch von Zweiflern nicht aufhalten. Bleibt motiviert, fokussiert und glaubt an das, was ihr tut!

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    1. Hallo Herr Wüthrich,

      gerade bin ich einfach nur zu einem ganz herzlichen „Danke“ fähig verbunden mit einem tiefen Durchatmen:-).

      LG und Take care and have a happy day

      Chris

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